Wollen wir ein Kulturticket? Darüber haben die Studenten unserer Universität Anfang Juni in einer Urwahl abgestimmt und sich mehrheitlich für ein solches Ticket ausgesprochen. Doch was ist seitdem daraus geworden? Nachdem das StuPa den AStA in seiner Juni-Sitzung einstimmig damit beauftragt hatte, entsprechend dem Ergebnis der Urabstimmung Verträge mit potenziellen Kooperationspartnern auszuhandeln, lagen nun in der vergangenen Sitzung die Ergebnisse dieser Vertragsverhandlungen vor: vier fertige Verträge mit örtlichen Kultureinrichtungen, welche noch der Zustimmung des StuPas bedurften.

So weit, so gut – sollte man meinen. Bei genauerem Hinsehen offenbarte sich jedoch ein eklatanter Mangel: Die geplanten Zahlungen an die Kultureinrichtungen waren nicht seriös kalkuliert. Durch das Kulturticket soll der Eintrittskartenkauf von Studenten in bestimmten Kultureinrichtungen durch pauschale Zahlungen an die entsprechenden Einrichtungen ersetzt werden, welche auf alle Studenten in Form eines Beitrags umgelegt werden. Zugrunde zu legen ist den Zahlungen an die Kultureinrichtungen deshalb die erwartete Anzahl an studentischen Besuchern. Dies hat der AStA ausdrücklich nicht getan. In der Folge stand insbesondere die Höhe der Zahlung an das Casablanca, eine durchaus empfehlenswerte Adresse, aber de facto nun einmal ein kleines Kino, in einem auffälligen Missverhältnis zu den anderen Einrichtungen. Einem Gegenwert von 12.000 studentischen Besuchern pro Jahr entsprechen die Zahlungen unseren Berechnungen nach, im Vergleich zu den berechneten Besucherzahlen der anderen kleineren Einrichtungen (jeweils knapp 1000 Studenten pro Jahr) eine stark überhöhte Zahlung. Selbst das erheblich größere Staatstheater erhält nach unseren Berechnungen nur den Gegenwert von etwa 5.000-6.000 Besuchern.

Folgerichtig haben wir also in der Sitzung gefordert, nur die anderen drei Verträge zu bestätigen, das Kulturticket vorerst nur mit diesen Einrichtungen einzuführen und den einen ganz offensichtlich schlecht verhandelten Vertrag zunächst auszuklammern und vom AStA nachverhandeln zu lassen. Da die anderen Fraktionen jedoch, obwohl sie unsere Bedenken ausdrücklich bestätigten, nicht zu einem solchen Kompromiss bereit waren und stattdessen ohne schlüssige Begründung eine Abstimmung über alle Verträge insgesamt forderten, konnten wir dem in dieser Form nicht zustimmen. Weil wir aber auch weiterhin für ein Kulturticket sind und drei der ausgehandelten Verträge bestätigt hätten, haben wir auch nicht dagegen gestimmt, sondern uns enthalten.

Wir entsprechen damit dem Willen der Studenten, die wie wir ein Kulturticket wollen, schützen aber gleichzeitig die berechtigten finanziellen Interessen insbesondere derjenigen Studenten, die zusätzliche überhöhte Gebühren nicht einfach aus der Portokasse bezahlen können, sondern bereits an der Grenze des finanziell Tragbaren liegen. Auch weiterhin werden wir uns für ein Kulturticket einsetzen, aber für eines, das so gut ist, wie die Studenten es verdienen und nicht für ein im Hauruck-Verfahren eingeführtes Ticket, das überteuert und ungerecht ist.